Moseltal ist Hinterland zum Airport Hahn/Hunsrück

22. September 2009
Das Mosel-Riesling-Tal wird zum Hinterland degradiert. Die weltberühmte Weinkritikerlegende Hugh Johnson attackierte mit klaren Worten die Zerstörúng des weltweit einzigartigen Mosel-Rieslingtals durch die Hochautobahn auf Betonstelzen

Hugh Johnson: Hartnäckiger Protest kann erfolgreich sein!

Hugh Johnson auf der Ürziger Höhe

Hugh Johnson ist eine Weinkritikerlegende. Seine Aussagen sind schwergewichtig. Selbst der Trierische Volksfreund, offensiver Promoter des Baus des Hochmoselübergangs, stellte daher in seiner Samstagausgabe vom 12./13. September zur Verwunderung seiner LeserInnen fest:“ Der berühmte Weinkritiker Hugh Johnson geißelt den Hochmoselübergang.“ Ausführlich zitiert Clemens Beckmann eine Erklärung von Hugh Johnson, die er auf der Protestveranstaltung auf dem geplanten Brückenkopf hoch über dem Modseltal vor ca. 70 Gegnern des geplanten gigantischen Bauwerks abgab: „Die geplante Brücke entweihe und verschandele die Landschaft. Es ist eine Autobahn auf Stelzen, weder schön noch romantisch. Und sie bringe den Menschen in der Region auch keinen weiteren Wohlstand. Stattdessen nehme der Riesling, der in seiner Einmaligkeit nicht nachzumachen sei, Schaden.“

Zur Erinnerung: Der Hochmoselübergang mit der geplanten Höhe von 160 Metern und einer Länge von 1,7 Kilometern, inmitten der einzigartigen Mittelmosel-Riesling -Landschaft mit den hervorragenden Weinlagen von Ürzig, Graach und Wehlen, ist Teil der groß angelegten Europäischen Raumordnung (EUREK: Europäisches Raumentwicklungskonzept). Schon Oktober 1999 propagierte Prof. Peter Treuner zum Stand und Perspektiven der europäischen Raumentwicklung: „Zur europaweiten Sicherung eines „gleichwertigen europaweiten Zugangs zu Infrastruktur und Wissen sei eine Verbesserung der Verkehrsanbindung peripherer (am Rande gelegenen) Räume zum EU-Kernland und zu Drittstaaten notwendig“ Die geschehe, so Prof. Treuner durch „Förderung eines räumlich ausgewogenen Zugangs zu internationalen Verkehrsdrehscheiben der EU (global Gateway, See – und Flughafen) sowie durch eine Steigerung von deren Dienstleistungen und Verbesserungen ihrer Hinterlandanbindung. „

Die Mosel-Riesling-Region ist also bei diesen europaweiten Planungen des großmaschigen Verkehrsnetzes zum Zwecke der Aufwertung der angeblich "alternativlosen" globalen Konkurrenzfähigkeit der EU schlicht und ergreifend nur noch HINTERLAND. Hinterland welches rücksichtslos und brutal diesen geostrategischen Überlegungen geopfert werden soll. Als Durchgangsgebiet der globalen Transportströme über das tief liegende Moseltal hinweg. Mit dem Zwischenstop Hochmoselübergang: Da unten, da wird er produziert, der berühmte Rieslingwein. Ein Schnappschuss auf die Digitalkamera und weiter geht es für den Touri zum „Billigflughafen Hahn“. Und von dort ab in die große weite Welt. Die Transportlaster mit ihren flugtauglichen Container mit Zielflughafen Hahn, die sollen nunmehr mautfrei auf Steuerzahlers Kosten den hochsubventionierten Hahn ansteuern. Schädliche Abgaswolken auspustend und natürlich ohne Zwischenstopp. Just in Time, denn Time is money!

Hugh Johnson erkannte klarsichtig in seiner Ürziger Ansprache inmitten des Mosel-Hinterlandes: „In einer Welt, die langsam die Dummheit nicht-nachhaltiger Industrien und schädlicher Transportsysteme erkennt, ist es kaum zu glauben, dass Politiker weiter den Fantasien einer vergangenen Generation folgen: Pläne, die erarbeitet wurden als Rheinland-Pfalz dachte, es könne vom Schutt des 2. Weltkrieges, von der ungenutzten Hahnbasis,, profitieren „

Die Pläne der europaweiten Vernetzung können sich tatsächlich zurückverfolgen lassen auf die Planungen der Nazis, die den Begriff der Europäischen Raumordnung prägten und die Grundlage für die Errichtung einer „Neuen Ordnung Europas“ waren. Hugh Johnson hat erkannt, dass der Schutt der Vergangenheit weggeräumt werden soll, aber das dessen ungeachtet die alten Ideen einer zentralistischen europaweiten Raumordnung zur Förderung nicht nachhaltiger und klimazerstörerischer Industrien zu Lasten der Hinterländer nach wie vor purzlebendig sind. Auferstanden aus den Ruinen des zusammengebrochenen Hitlerreiches verfolgt nunmehr die EU unter dem Kommando des Großen Finanz- und Industriekapitals die „zivile Fortsetzung“ der Hitlerischen Allmachtsphantasien zur Neuordnung Europas. In diesem Zusammenhang ist die Mainzer SPD-Landesregierung unter der Leitung von Kurt Beck schlichtweg nur Erfüllungsgehilfe, die den Moselwinzern, die um ihre Existenz fürchten müssen angesichts des Preisverfalls der Weinpreise, Trost zusprechen soll mit dem Hinweis auf die Jobmaschinerie Flughafen Hahn.

„ Es gibt sogar Einheimische, die dachten, dass ihr Geschäft davon profitiert. Vielleicht gibt es Leute, die denken, dass sie mit Flugzeugen über ihren Köpfen Geld machen können!“ sinnierte Hugh Johnson öffentlich über die Motivation der im Hinterland lebenden BürgerInnen. Und warnte gleichzeitig davor, dass diese gierbestimmte Abstaubermentalität sich zum verhängnisvollen Bumerang entwickeln kann: „Dresden hat den Preis für eine Brücke bezahlt, die zu weit ging: den Verlust des Respekts der Welt vor ihrem Urteilsvermögen. Das Moseltal darf nicht der gleichen Krankheit verfallen. „

Mit dieser Anspielung auf den Bau der Dresdner Elbtalbrücke, was zur Aberkennung des Elbtales als Weltkulturerbe durch die UNESCO führte, verdeutlichte Hugh Johnson klar und deutlich wie sehr die Würde der zum Hinterland degradierten Mosel-Riesling-Region auf dem Spiele steht. Sie nicht zu verspielen, bedeutet aber sich auf einen weiteren zähen und langwierigen Kampf einzurichten. Hugh Johnson ermutigte die noch kleine Schar der Brückengegner mit einem Beispiel aus seinem Heimatland: „Der Airport London-Stansted, ebenfalls wie der Airport-Hahn eine Hinterlassenschaft des 2.Weltkrieges, sollte zum weltweiten größten Flugdrehkreuz ausgebaut werden. Nach 40 Jahren langwierigen und zähen Protestes haben nunmehr die Investoren Probleme den vollkommenen unrentablen Airport Stansted zu verkaufen.“

Unverhoffte Unterstützung für die Brückenbaugegner aus Japan kündigte zudem der renommierte Winzer Manfed Prüm (Weigut J.J.Prüm) im Anschluss an die eindrucksvolle Ansprache von Hugh Johnson an. Eine Vereinigung von japanischen Freunden des deutschen Weines wolle Unterschriften sammeln gegen die Verschandelung und Degradierung der Mosel-Riesling-Anbauregion durch den Hochmoselübergang. Es sei, so Prümm, möglich, dass 2000 Unterschriften von japanischen RieslingfreundInnen zusammenkommen.

Diese Mitteilung traf auf viel Zustimmung bei den ca. 70 auf dem Ürziger Brückenbau versammelten Brückengegnern. Und der eine oder die andere mögen sich gedacht haben, wenn es an offener Gegnerschaft innerhalb der unmittelbar betroffenen Winzern und bei den Moselanwohner noch erheblich mangelt, dann könnte durch den äußeren Druck aus den Importländern USA, Großbritannien und Japan es doch noch gelingen die SPD-Landesregierung und die parteihörigen Regionalpolitikern zur Einsicht zu zwingen, welchen Schaden ihre Entscheidung für den Bau der Hochmoselbrücke mit sich bringen wird: der rasante Einbruch des Moselweinexportes in gewichtige Auslandsmärkte. Dann bestünde die realistische Chance, dass sich innerhalb der Parteien selbst Risse auftun, wo unter vermehrten Druck der Winzer sich der weitere Brückenbau nicht ohne erheblichen politischen Flurschaden durchsetzen ließe. Die Verhinderung der WAA = Wiederaufbereitungsanlage in der bayrischen Oberpfalz kurz vor deren endgültigen Fertigstellung sei an dieser Stelle in Erinnerung gerufen. Die finanziellen und politischen Kosten genug in die Höhe getrieben, kann also Wunder bewirken.

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Montag, 6. September 2010
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