Hauptsache geimpft!

|  6. April 2021 
Reflexionen über die "Impfdrängler" kann nur der vornehmen, der versucht sich hineinzudenken, hineinzufühlen in die Situation, wo sich einem "unvermutet" die Frage stellt: "Soll ich mich jetzt aufopfern oder nicht, damit die ungenutzte Impfdosis - für nichts und wieder nichts - entsorgt werden muss? Ein wirkliche vertrackte Lage, wo es doch allenthalben heißt "Hauptsache geimpft".

 "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust" (Goethe. Faust I)

Warum sich der Privatbürger Burkhard Graul sich als Bürgermeister oder umgekehrt (?) hat vorzeitig impfen lassen

Richard Pestemer; Ortsbürgermeister a.D. der Ortsgemeinde Neunkirchen im Hunsrück

 

Burkhard Graul ist ein viel beschäftigter Kommunalpolitiker und gleichzeitig auch noch ein sehr engagierter Privat-Mann. Das führt denn auch offensichtlich zu Gewissenskonflikten, klar zu bekommen, handle ich nun als Kommunalpolitiker, also als Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Thalfang sowie Mitglied des Thalfanger Verbandsgemeinderates oder eher als Privat-Person. Ist ja tatsächlich auch schwierig für ihn, dies auseinanderzuhalten.

Mir jedenfalls, der ebenfalls lange Jahre gleichzeitig als Ortsbürgermeister der OG Neunkirchen sowie Mitglied des VG-Rates und auch als Privat-Person alles unter einen Hut zu bringen versuchte, ist das nie so richtig gelungen. Wenn ich mal als Privat-Person auf einer privaten Geburtstagsfeier zu tief ins Glas geschaut hatte, dann konnte es schon passieren, dass mir freundlich aber bestimmt am folgenden Tagen, noch nicht vollkommen ausgenüchtert, unter die Nase gerieben wurde: “Also als Ortsbürgermeister, da darf man sich auch auf privaten Feiern nicht so gehen lassen.” Andere Kollegen von mir waren da weiser als ich. Die nippten stundenlang an einem Cola-Glas, um ja nicht in solch einen Verdacht zu geraten.

Aber selbst innerhalb des engsten Familienkreises wurde einem vorgehalten: “Also, wenn Du Dich so in der Öffentlichkeit wie hier zu Hause aufführst, dann brauchst Du Dich nicht über dementsprechende Reaktionen zu wundern.” Irgendwann habe ich das aufgegeben, mir einzureden, ich könnte problemlos Privatmann - als auch sauber getrennt davon – zugleich Ortsbürgermeister sein.

Nein, die zwei Seelen in der einen Brust verschmelzen beim Ortsbürgermeister zu einer einzigen Seele. Stets ist man da in einer “Hab-Acht-Stellung”, selbst in den nächtlichen Träumen überwältigt einen das Ortsbürgermeistersein. Insofern bewundere ich Burkhard Graul, der das Problem der widerstrebenden Seelen offensichtlich problemlos hinbekommt: das in seiner Brust sich Privat-Person und Ortsbürgermeister - vollkommen harmonisch voneinander getrennt - miteinander klarkommen.

Rückblick: Der Trierische Volksfreund vom 9.März 2021 berichtete: “Ende Januar sei ein Impftermin im Seniorenheim in Thalfang gewesen, erklärte er (Burkhard Graul). Dort habe ein mobiles Impfteam Senioren gegen Corona geimpft. Graul selbst versorge seit Beginn der Pandemie mehrere über 80-jährige Menschen, die noch alleine leben.” Er betonte dabei ausdrücklich:”Das mache ich nicht als Ortsbürgermeister, sondern als Privatperson, als Thalfanger Bürger.” Und als Privatperson hatte er dann laut TV festgestellt: “Beim Impftermin im Seniorenheim habe sich frühzeitig abgezeichnet, dass rund 30 Dosen des Biontec-Impfstoffes am Impftag übrig bleiben werden.”

Deshalb wurde er wiederum als Privatmann befragt, “ob er wegen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit Senioren der Priorisierungsgruppe 1 kenne. “ Und da hatte vermutlich der Ortsbürgermeister in ihm dem Privatmann die Namen der in Frage kommenden Senioren zugeflüstert. Denn als Ortsbürgermeister war und ist er als als Gratulant dieser hochbetagten Senioren gut im Bilde. Problemlos konnte er 29 Namen benennen. Als Privatmann. Und es blieb für ihn, ebenfalls als Privatmann, die letzte der 30 Impfdosen über. Und wer weiß, vielleicht hatte der Ortsbürgermeister in ihm dem Privatmann zugeraunt: “Du weiß schon, dass Du dem Allgemeinwohl verpflichtet bist, eine Vorbildfunktion hast?”

Ach, zwei Seelen rangen da in seiner Brust, es wollte ihm da kein weiterer impfberechtigter Senior einfallen. Und so machte er kein Hehl daraus, dass er sich hat letztendlich impfen lassen. Nun, frage ich mich, was ich in dieser Situation gemacht hätte, als ortsbürgermeisterliche Privat-Person. Hätte ich mich nicht auch außerhalb der Reihe impfen lassen, mit der letzten verfügbaren Dosis? Hätte ich nicht ebenfalls den Privatmann in mir mir entdeckt, bevor die letzte Impfdosis - von mir verschont als potentieller Impfling - wertlos entsorgt worden wäre?

Also ich wage nicht, diese Frage mit stolz geschwellter Brust eindeutig zu beantworten. Vielleicht hätte ich mich auch impfen lassen. Und möglicherweise hätte ich auch versucht dies zu vertuschen, halt als Privatmann, ständig traktiert vom Ortsbürgermeister in mir. Und vielleicht habe ich ja nur Glück gehabt, als weitgehender Privatmann, seitdem ich seit fast zwei Jahren kein Ortsbürgermeister bin und nur noch Mitglied im Thalfanger Verbandsgemeinderat So bleibt es mir erspart als Ortsbürgermeister zu erfahren, wann Impftermine im Seniorenheim anstehen. Ach, Unsinn alles, davon hatte Burkhard Graul ja nur als Privat-Mann erfahren, doch nicht als Ortsbürgermeister.

Das ist dann wohl nicht zu vergleichen mit dem Impfvordrängler Landrat Eibes CDU), dem die SPD-MdL Bettina Brück im verflossenen Landtagswahlkampf mit hoch erhobenen Zeigefinger vorgeworfen hatte, dass er mit seiner vorzeitigen zudem indes vertuschten Impfung “das Vertrauen in die Politik massiv erschüttert” habe. (TV 2.03.219) Die feinsinnige Unterscheidung von Privat-Mann und Landrat wie beim SPD Parteifreund Ortsbürgermeister Graul, die wird da allerdings nicht vollzogen. Weswegen es möglicherweise der stets wortgewaltigen MdL Bettina Brück bislang die Sprache verschlagen hat.

Nein, beim Landrat Eibes wohnen augenscheinlich keine zwei Seelen – Landrat und Privatmann - in einer Brust. Im Gegenteil. Selbstbewusst heißt es da: “Er hätte es als unmoralisch empfunden, den Impfstoff verfallen zu lassen, statt ihn an die Mitarbeiter des Krisenstabes (und an sich) verimpfen zu lassen.” Wobei er indes kleinlaut einräumte: “ Er stehe (als Landrat?) zu der Entscheidung, die überzählige Impfdosis angenommen zu haben, “ wenngleich ich es (als Privatmann?) bedaure dieses nicht zu einem früheren Zeitpunkt transparent gemacht zu haben.”

Fazit: Beide, Gregor Eibes als auch Burkhard Graul haben sich vorzeitig außerhalb der festgelegten Priorisierungslisten impfen lassen. Wir als Bürger warten immer noch geduldig auf eine Impfung, da wir nicht das Privileg haben beides in einer Person zu sein: nämlich Privat-Mensch als auch Landrat oder Ortsbürgermeister usw. . Und wenn dies nicht von der vertrackten Lügenpresse aufdeckt worden wäre, dann wäre für uns die Impf-Welt noch halbwegs in Ordnung. Zumindest als Privat-Menschen.

Lesermeinungen:

  1. Silvia Pfeiffer schrieb am 8. April 2021 um 16:06 Uhr:
    Zum Leserbrief "Legen Sie Ihr Amt nieder" von Herrn Oettel aus Thalfang

    Herr Oettel spricht mit seinem Leserbrief den Bürgerinnen und Bürgern aus vollem Herzen.

    Zitat:
    "Offensichtlich sind Ihnen keine Menschen aus der Verbandsgemeinde Thalfang bekannt, die Sie vielleicht doch von Ihrer Aufopferung hätten erlösen können".

    Es geht noch besser! In seiner unmittelbaren Nachbarschaft wohnt eine 83- jährige Dame, die ihn tatsächlich von seiner Aufopferung hätte erlösen können. Sie ist bis heute (13.März 21) nicht geimpft.
    Der Weg über die Straße war offensichtlich doch zu weit.

    Ich gebe Bettina Brück vollkommen Recht, dass ein solches Verhalten das Vertrauen in die Politik massiv erschüttert und gerade deshalb, weil der Vorgang erst durch den TV öffentlich wurde.
    Dieses Verhalten bemängelt sie offensichtlich aber nur bei Landrat Eibes (CDU) und nicht bei ihrem Parteikollegen Herrn Graul (SPD).
    Ich vermisse auch die Reaktionen der Ortsbürgermeisterkollegen/innen sowie der Bürgermeisterin Vera Höfner, denn es hat mit Sicherheit zu diesem Zeitpunkt weitere über 80- jährige Personen in der gesamten Verbandsgemeinde gegeben, die nicht geimpft waren.
    Haben nicht auch diese Personen bei Amtsantritt einen Eid darauf geleistet Schaden von der Bevölkerung abzuwenden?
    Ein verlorengegangenes Vertrauen und den Glauben an Gerechtigkeit kommt nur dann zurück, wenn Fehlverhalten eingesehen wird und Konsequenzen hat. Deshalb schließe ich mich der Forderung des Herrn Oettel an:" Herr Graul stellen Sie Ihre Ämter als Ortsbürgermeiser und Mitglied im Verbandsgemeinderat zur Verfügung."

    Silvia Pfeiffer, Thalfang
  2. Udo und Silvia Pfeiffer schrieb am 8. April 2021 um 17:45 Uhr:
    AUSSPRACHE ZUR IMPFDRÄNGELEI des Ortsbürgermeister Burkhard Graul im Verbandsgemeinderat Thalfang


    In der Bürgerschaft rumort es gewaltig. Mittlerweile machen Gerüchte die Runde, dass der Ortsbürgermeister B. Graul nicht nur sich hat impfen lassen, wie Herr Lothar Martin in seinem Leserbrief schreibt. Auch soll eine von drei Arztpraxen von der Impfaktion im Seniorenheim nicht in Kenntnis gesetzt worden sein. Ein Anruf hätte wahrscheinlich genügt und eine Person hätte für die letzte Impfdosis gefunden werden können.


    Dementsprechend hoch war das Interesse der Bürgerinnen und Bürger auf der VG-Ratssitzung vom 24.03.21 in Horath.
    Denn der TV hatte einen Tag zuvor angekündigt, dass Ratsmitglied Richard Pestemer einen Antrag wegen Dringlichkeit auf Aussprache zur Impfdrängelei stellen wollte, um
    ZITAT: "...darüber eine Aussprache halten, welche Vorbildrolle wir alle als politische Verantwortungsträger haben.....Es wäre sehr begrüßenswert, wenn sich dieser Situation das Ratsmitglied Burkhard Graul aktiv und konstruktiv an solch einer Aussprache beteiligen würde."


    Die Hoffnung auf Klarheit im Fall der Impfdrängelei von Ortsbürgermeister Burkhard Graul war schnell erstickt. Klarheit, Transparenz, voll umfängliche Aufklärung für uns Bürgerinnen und Bürger? Doch nicht hier in Thalfang. Wo denkt ihr hin?
    Nein, keine Angst, der Antrag war schnell vom Tisch. Frau Bürgermeisterin Vera Höfner verlas zügig den Antrag, ließ ohne die Begründung zu hören, geschweige denn diskutieren zu lassen, rucki-zucki abstimmen - Mehrheit gegen Aufklärung - Fall für sie erst mal erledigt.


    Na, ich war ja nur noch begeistert. Erst ein halbes Jahr im Amt und dann so souverän innerhalb weniger Minuten den meisten Mitgliedern im VG-Rat dermaßen aus der Misere geholfen. Alle Achtung.
    Denn MdL Bettina Brück (SPD) hatte ihre Parteifreunde mit der Attacke auf Landrat Eibes (CDU) in echte Schwierigkeiten gebracht, nun das Fehlverhalten des Ortsbürgermeisters B. Graul (SPD) anzuerkennen.
    Die CDU hingegen konnte es sich nicht erlauben B. Graul (SPD) anzumachen, da sie Landrat Eibes (CDU) ja auch verteidigt hatte.
    Ach, das Dilemma war schon riesig. Was war da zu tun?


    Die Lösung war schnell gefunden, denn es standen ja noch so viele Themen auf der Tagesordnung, dass ein so unwichtiges Thema ruhig unter den Teppich gekehrt werden konnte.
    Oder trauten sich die meisten Mitglieder des VG-Rates möglicherweise nicht darüber eine Aussprache zu halten, welche Vorbildrolle sie alle als politische Verantwortungsträger haben?
    Ach was, das ist ja abwegig.
    Ich frage mich aber, wie wird sich wohl der Ortsgemeinderat von Thalfang verhalten?


    Allerdings eins ist klar, zu glauben, die Öffentlichkeit würde diese Machenschaften nicht durchschauen, wäre ziemlich naiv und überheblich.


    Silvia und Udo Pfeiffer
    Thalfang
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